Ararat

Armenien-Reise 2009

9. Tag - 6. Mai

An diesem Tag besuchten wir zunächst das Kloster Tatev. Diese Fahrt mussten wir in zwei Minibussen zurücklegen, da die Straße dorthin für den großen Bus trotz Gagiks Fahrkünsten unbefahrbar gewesen wäre. Schon die beiden Fahrer der Minibusse waren sehr gefordert, da der Weg streckenweise aus vor allem aus Löchern bestand, die groß genug waren, um so einen Bus erstmal festzusetzen.

Kloster Tatev
Das Kloster Tatev

Kloster Tatev

Kloster Tatev
Regeln für den Gottesdienst

Kloster Tatev

Kloster Tatev

Kloster Tatev

Kloster Tatev

Kloster Tatev
Die Aussicht vom Klosterhof

Mittags gab es ein Picknick. An dem ursprünglich ausgesuchten Platz, einem kleinen Plateau am Straßenrand oberhalb des Klosters, von dem wir eine wunderschöne Aussicht ins Tal gehabt hätten, war es allerdings so windig, dass man dort unmöglich auch nur halbwegs gemütlich sitzen konnte. Deshalb hielten wir an einer Art Bistro oder Café wo wir unser Essen in kleinen halboffenen "Hütten" zu uns nehmen und praktischerweise auch noch Kaffee und Tee bestellen konnten.

Picknick
Das Essen wird gerichtet

Picknick
Windgeschützt unter der Plane

Auf dem Rückweg hielten wir an der "Satansbrücke", einer gefährlich aussehenden Schlucht des Vorotan-Flusses, die allerdings gut abgzäunt war. Es gab auch ein kleines Planschbecken mit Thermalwasser, das leider völlig verschmutzt und unbenutzbar war.

Satansbrücke
An der Satansbrücke

Satansbrücke
Gefährlich...

Satansbrücke
Früher konnte man hier mal baden!

Am Nachmittag machten wir uns auf den Weg nach Berg Karabach - wieder mit dem großen Bus. Auf dem Weg in Richtung Grenze kamen wir an Höhlendörfern vorbei. Die Höhlen waren noch bis ins 19. Jahrhundert bewohnt gewesen und wurden während des Karabach-Krieges zum Teil als Bunker benutzt.

Höhlendorf
Ein Höhlendorf

Grenze
Hier verlässt man Armenien in Richtung Karabach

Die neuere Geschichte der Region Karabach ist vor allem von der Willkür der sowjetischen Machthaber geprägt. Im Jahr 1920 annektierte das Sowjetreich die nach dem ersten Weltkrieg kurzzeitig unabhängigen Staaten Armenien und Aserbaidschan, die sich vorher erbittert um dieses Gebiet gestritten hatten. Die Bevölkerungsstruktur von Karabach sah zu dem Zeitpunkt so aus, dass sich in dem traditionell von Armeniern bewohnten Gebiet vor allem in der Ebene immer mehr Aseris angesiedelt hatten (dieses schiitische Turkvolk war, wie auch die Türken, im Mittelalter aus der Gegend des Altai-Gebirges in Zentralasien gekommen), während das Bergland (das eigentliche "Berg Karabach") nach wie vor fast ausschließlich von Armeniern bewohnt wurde. Da Stalin jedoch an Frieden mit der Türkei als umittelbarem Nachbarn der Sowjetunion interessiert war und wohl auch insgeheim hoffte, die damals regierenden Jungtürken vom Kommunismus überzeugen zu können, gestand er Aserbaidschan weitgehende Gebietsrechte zu, was natürlich für die Sowjetunion keinen Verlust bedeutete. Die Türkei hatte gefordert, das ganze südliche Armenien an Aserbaidschan abzutreten, aber so weit wollte Stalin doch nicht gehen. Immerhin dürfte ihm die Vision der Jungtürken vom panturkischen Reich bekannt gewesen sein und dies hätte nicht weniger als fast den gesamten südlichen Teil der Sowjetunion betroffen. Also bekam Aserbaidschan "nur" das Gebiet Nachitschewan (damals 70% armenischer Bevölkerungsanteil, heute etwa 5%) an der Grenze zur Türkei und das ganze Gebiet Karabach, einschließlich des zu 95% von Armeniern bewohnten Berglandes. Lediglich ein wenige Kilometer breiter Streifen zwischen diesen beiden Gebieten blieb bei Armenien. Nachitschewan und Berg Karabach wurden Autonome Gebiete, während die Ebene von Karabach der Aserbaidschanischen SSR einverleibt wurde, nicht zuletzt, um Berg Karabach vollständig von Armenien zu trennen. In der Folgezeit wurde Berg Karabach (wie auch Nachitschewan) gezielt mit Aseris besiedelt. Die Armenier wurden zwar nicht direkt vertrieben, aber es fand gewissermaßen eine "kulturelle Säuberung" statt. In den Schulen wurden nur noch Aseri und Russisch gelehrt, wobei sich die Armenier für ihre Kinder mehrheitlich für Russisch entschieden. Die meisten armenischen Kulturdenkmäler wurden entweder zerstört oder einfach mit Erde überhäuft. Wenn man die Armenier als Volk dort schon nicht ausrotten konnte, wollte man es wenigstens mit ihrer Kultur und Sprache tun.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion gegen Ende der achtziger Jahre brach der Konflikt wieder auf. Es kam zu Gewalttaten auf beiden Seiten. Im Februar 1988 fand im aserbaidschanischen Sumgait, in der Nähe der Hauptstadt Baku, ein Pogrom statt, bei dem viele Armenier ums Leben kamen. Die Überlebenden flohen nach Armenien oder wurden des Landes verwiesen, während die in Armenien lebenden Aseris ebenfalls ausgewiesen wurden. Nachdem sich beide Republiken 1991 für unabhägig von der Sowjetunion erklärt hatten, erklärte sich seinerseits das Autonome Gebiet Berg Karabach für zu Armenien gehörig. Dieses Recht stand ihnen nach der sowjetischen Gesetzgebung zu, allerdings war hier Recht haben und Recht bekommen mal wieder zweierlei. Aserbaidschan weigerte sich, dies anzuerkennen, und es kam zu einem Krieg, der mit aller Brutalität geführt wurde. Obwohl Aserbaidschan von der Türkei und anderen islamischen Staaten unterstützt wurde, während die armenischen Streitkräfte lediglich Hilfe von mehr oder weniger schlecht ausgebildeten und bewaffneten Kriegsfreiwilligen aus der armenischen Diaspora, wie zum Beispiel dem ehemaligen Terroristen und Freischärler Monte Melkonjan bekamen, gewannen die Armenier mit der Zeit die Oberhand. Sie eroberten die Stadt Schuschi, die auf einem Berg oberhalb der Hauptstadt Stepanakert liegt und von der aus die aserischen Truppen Stepanakert fortgesetzt mit Raketen und Streubomben beschossen hatten. Im Jahr 1994 wurde ein Waffenstillstand verkündet. In der Folge wurde die Republik Berg Karabach gegründet, die zwar von keinem Staat der Welt (einschließlich übrigens Armeniens) offiziell anerkannt wird, aber nach Beobachtungen etwa der OSZE als eine der am besten funktionierenden Demokratien in der ganzen Region gilt - namentlich besser als Aserbaidschan. Auch sonst wird das Land - nicht zuletzt mit Hilfe der armenischen Diaspora - gehegt und gepflegt. Die Sauberkeit der Umwelt, die man in Armenien teilweise schmerzlich vermisst, wird hier fast übertrieben. Überhaupt erscheint hier vieles schöner und "glatter" als in Armenien, manchmal fast schon "künstlich" mit einem leichten Touch von Disneyland. Trotz dieser Bemühungen ist das Schicksal dieses Gebietes weiterhin unklar und man bekommt fast Angst um die Menschen, die sich mit ihrem kleinen Zuhause so viel Mühe geben, denn von einem Volk, das Jubelfeiern veranstaltet, wenn tausende von Menschen bei einem Erdbeben umkommen, wie dies die Aseris nach dem Erdbeben in Armenien 1988 taten, ist kaum etwas Gutes zu erwarten, und Mord und Vertreibung wären wohl vorprogrammiert, wenn Aserbaidschan erneut die Kontrolle über Berg Karabach bekäme.

Wir fuhren nach einem kurzen Halt in Schuschi weiter nach Stepanakert, wo wir im Hotel Armenia zu Abend aßen und übernachteten.

Schuschi
Die Kathedrale in Schuschi

Schuschi
Im Inneren

Schuschi
Ruine einer Moschee in Schuschi

Schuschi
Das Kriegsdenkmal wird geputzt - natürlich von Soldaten!

Stepanakert
Blick auf Stepanakert

Hotel
Das Hotel Armenia (links) direkt neben dem Parlament (rechts)

Hotel

Hotel
Im Speisesaal

Hotel
Unser Zimmer

Hotel

Hotel

Hotel
Ausblick aus dem Zimmer

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